Himmelsbegegnungen

Alle Planeten auf einmal sehen, Juli 2020

Alexander Pikhard

logo

In der letzten Juliwoche können für einige Tage alle Planeten auf einmal gesehen werden. Auf einmal bedeutet dabei allerdings nicht "auf einen Blick", denn sie stehen so weit auseinander, dass das menschliche Gesichtsfeld nicht ausreicht. Lässt man den Blick über den Himmel schweifen, kann das Auge aber doch nach und nach Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn erfassen. Und das hat folgende Gründe:

  • Merkur zeigt eine für Juli eher untypisch gute Morgensichtbarkeit von ca. 18. Juli bis 14. August.

  • Venus hat im Juni eine sehr gute Morgensichtbarkeit begonnen, die noch längern dauern wird.

  • Mars befindet sich noch in der ersten Phase seiner Sichtbarkeit 2020 und bewegt sich noch rechtläufig am Himmel nach Mitternacht, ist im Juli aber schon recht hell.

  • Jupiter und Saturn stehen im Juli fast gemeinsam in Opposition und sind daher fast die ganze Nacht zu sehen.

Damit ergibt sich zwischen 18. Juli (Merkur wird hell genug für eine Sichtbarkeit) und 30. Juli die Gelegenheit, alle Planeten über einen Zeitraum von anfänglich einer guten Stunde, später immer weniger, zu sehen.


Die hellen Planeten am Morgen des 23. Juli 2020 um 4.15 Uhr MESZ

Die weite Anordnung der Planeten über einen Winkel von fast 180° - Merkur steht Jupiter fast gegenüber am Himmel - bietet eine gute Gelegenheit, die Lage der Ekliptik am Himmel zu erfassen:


Die hellen Planeten am Morgen des 23. Juli 2020 um 4.15 Uhr MESZ lassen die Ekliptik (rote Linie) erahnen

Ganz genau entspricht die Anordnung der Planeten allerdings nicht der Ekliptik. Während Jupiter und Saturn ziemlich genau auf der Ekliptik stehen, liegen Mars, Venus und Merkur doch deutlich südlicher. Der Grund dafür liegt in der Neigung der Planetenbahnen zur Erdbahn, die vor allem bei Mars und Merkur ausgeprägt ist und bei Venus deshalb so deutlich ausfällt, weil uns dieser Planet derzeit sehr nahe steht.

Wenn Merkur einmal hell genug in seiner Morgensichtbarkeit ist, dann ist das Zeitfenster, in dem alle Planeten zu sehen sind, begrenzt durch den Aufgang des Merkur und den Untergang des Jupiter. Da sich Jupiter um die Opposition rasch rückläufig am Himmel bewegt, wird dieses Fenster immer kürzer. Die folgende Tabelle zeigt, in welchem Zeitraum alle hellen Planeten auf einmal zu sehen sind:


Die relevanten Auf- und Untergangszeiten für die Sichtbarkeit aller Planeten im Juli 2020. Daten für Wien aus CalSky.

Alle Planeten oder alle hellen Planeten? In der Tat alle. Denn auch wenn sie nicht mit freiem Auge zu sehen sind, mit einem starken Fernglas oder einen Fernrohr kann zu dieser Zeit auch Ausschau nach Uranus und Neptun gehalten werden. Uranus steht etwa auf halbem Weg von Mars zu Venus (scheinbar am Himmel, natürlich nicht räumlich), Neptun steht westlich von Mars, auf etwa einem Drittel der Strecke zum Saturn. Mit optischen Hilfsmitteln ist also eine Tour durch alle Planeten des Sonnensystems möglich.

© Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Jede Wiedergabe von Text oder Grafiken aus dieser Seite bedarf der vorherigen schriftlichen Erlaubnis und ist auch dann nur unter Angabe der Quelle (Autor und Organisation) gestattet.


Ein Beobachtungstipp der WAA
Wir möchten Sie ermuntern, dieses Himmelsereignis zu beobachten. Wenn Sie Anleitungen oder Hilfestellungen dazu benötigen, dann sind Sie bei unseren gemeinsamen Beobachtungen herzlich willkommen. Informationen (Ort, Termin, Treffpunkt und mehr) dazu finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook.

© Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.  Impressum.